Schauspiel-Kollegen Evamaria Salcher und Fredrik Jan Hofmann über Lampenfieber, Work-Life-Balance und die Frage, ob Ruhm tatsächlich glücklich macht. 

Die Karrieristen-Satire „The Fountainhead (Die Spitze der Fontäne)“ feierte am 14.9.2018 Premiere am Schauspielhaus Graz. Im Zuge des Stücks dachten die beiden Darsteller Evamaria Salcher und Fredrik Jan Hofmann über Lampenfieber, Work-Life-Balance und die Frage, ob Ruhm tatsächlich glücklich macht, nach.

Fotos: Lupi Spuma | Text: Karin Schmerda

 

Als alte Hasen des Theatergeschäfts – wie bereitet ihr euch auf eine neue Saison vor?
Evamaria: Wenn möglich, mit Muße und Gelassenheit. Am Schauspielhaus haben wir zwei Monate Sommerpause und ungefähr zur Halbzeit widme ich mich langsam wieder meinen Texten − lasse also die neuen Produktionen auf meinem Radar auftauchen.

Fredrik: Meine Vorbereitungszeit im Sommer könnte man wohl als „freie Assoziation“ beschreiben. Da ziehen Gedanken zu den neuen Stücken an mir vorüber – die Zeit dazwischen nutze ich zum Durchatmen. Das mit dem Textlernen fällt bei mir also etwas spontaner aus als bei Evamaria. (lacht)

 

Evamaria, du stehst seit über 20 Jahren auf der Bühne – ist Schauspiel da schon Routine oder gibt’s noch Lampenfieber?
Evamaria: Routine ist das falsche Wort – Erfahrung trifft es eher. Ich beherrsche das Handwerk und gehe gelassener mit Proben, Regisseuren und Kollegen um. Gleichzeitig heißt es aber mit jedem neuen Stück: zurück auf Anfang. Wie bei Handkes „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ könnte es bei uns heißen „Die Angst des Schauspielers vor der Bühne“. Manchmal kostet es schon Überwindung da rauszugehen.

 

Tagsüber proben, abends vor Publikum spielen – und das auch mal am Wochenende. Wie findet ihr in eurem Job den Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit?
Fredrik: Die geplante Work-Life-Balance gibt’s bei uns nicht: Proben bestimmen den Tagesablauf. Ich schaffe mir in diesem recht fremdbestimmten Terminkalender deshalb bewusst Freiräume – für meine Kinder, zum Schwimmen, auch zum Putzen, wenn’s gerade sein muss.

Evamaria: Bei mir wird Work und Life nicht so auseinanderdividiert. „A balance in my work“ beschreibt es für mich sicher besser. Probenzeiten sind da natürlich ausschlaggebend, aber wenn ich zum Yoga hetzen muss, liegt das an meinem schlechten Zeitmanagement.

 

Gerade in der Theaterszene wird Erfolg sehr unterschiedlich definiert. Welche Bedeutung hat dieser Begriff für dich, Fredrik?
Fredrik: Erfolg bedeutet Zufriedenheit mit meiner Arbeit – und zwar meine eigene sowie die anderer. Natürlich ist es toll, für eine gute Leistung berühmt zu sein, aber ob nun 80 Menschen in einer Kirche oder 800 in einem großen Theater begeistert sind, sagt nichts darüber aus, wie erfolgreich ich bin.

 

„Berühmt“ leitet sich vom Wort „Ruhm“ ab. Macht der eurer Meinung eigentlich glücklich?
Evamaria: Ruhm allein sicherlich nicht! Anerkennung für meine Arbeit ist wunderbar und wichtig, weil sie mir zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, aber mein Glück ist nicht davon abhängig, ob ich auf der Straße erkannt werde.

Fredrik: Da gebe ich Evamaria recht! Ruhm ist völlig irrelevant. Und auch Geld ist kein Antrieb. Schauspiel ist nicht unser Hobby, es ist Arbeit – manchmal knallharte – und sollte fair bezahlt werden, aber weder reich noch berühmt zu sein macht glücklich, wenn einen die Tätigkeit selbst nicht erfüllt!

 

Vielen Dank für das Gespräch! 

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