Augen auf, ich hör nicht recht: Richard Strauss‘ „Salome“ bewegt sich seit jeher zwischen tobendem Beifall, Skandal und Zensur. Die Grazer Antwort: ein Ohrenschmaus samt Seelenwanderung.

Augen auf, ich hör nicht recht: Richard Strauss‘ „Salome“ bewegt sich seit jeher zwischen tobendem Beifall, Skandal und Zensur. Die Grazer Antwort: ein Ohrenschmaus samt Seelenwanderung.

von 10. november bis 8. februar 2019 in der oper

Fotos: Werner Kmetitsch | Text: Karin Schmerda

 

Wien, 1906. Die Hofzensur verbietet die Aufführung der „Salome“ wegen moralischer Unsitte. Dass die heißblütig-blutige Oper eine musikalische Meisterleistung ist, beweist jedoch wenig später ihre Aufführung in Graz, die von keinem Geringerem als dem Komponisten selbst dirigiert wird. Auch wenn Blut und Entblößung dem Publikum die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen, die Vorstellung wird mit tobendem Applaus belohnt.

Die Frage: Alles Schnee von gestern? Die Gesellschaft von damals prüde, jene von heute abgebrüht? 

Die Antwort: Wir schreiben das Jahr 2018. In Minsk wird die geplante „Salome“ aufgrund von Widerständen orthodoxer Aktivisten wieder abgesetzt. Graz im selben Jahr: Hier öffnet die Oper ihre Pforten für die grandiose Skandaloper von Richard Strauss. In Florentine Kleppers Inszenierung sehen wir eine Spirale aus Blut und Gewalt, Missbrauch und den tiefen Abgründen einer Familie. Die monströse Handlung sorgt auch heute für Schauer: Machthaber Herodes frönt dem Hedonismus. Furcht kennt er nur gegenüber seinem Gefangenen Jochanaan: Wir hören dessen Schreie, sehen sein Blut – er verkündet den Messias und kreidet die Unmoral in Herodes‘ Haus an. Dahinter eine gläserne Villa, in ihr dekadentes Vergnügen, eine unzüchtige Mutter und ein Vater, der lüstern nach seiner Stieftochter Salome giert. Tanzen soll sie für ihn – immer wieder verlangt er danach. Und Salome selbst? Die ist verwirrt, irritiert, sehnt sich nach dem Kuss des Jochanaan, der ihr jegliche Zuneigung verwehrt. So kommt es, wie es kommen muss: Der Schleier fällt, der Tanz beginnt – doch was man sieht, ist ein weit anderer Reigen. Tief blicken wir in die verwundete Seele der Salome, sehen ihre Narben und ihre Sehnsucht nicht als Frau missbraucht, sondern als Mensch gesehen zu werden.

Ist das also das Ende? Oh, nein! Es ist der Anfang: Die unerfüllte Sehnsucht wird zum Verlangen nach Blut, das erst gestillt ist, wenn sie den Kopf des Jochanaan in Händen hält.

Das ist ja (un-)erhört!

Die Augen sind nun groß, doch die Ohren auch gespitzt: Denn die Musik bewegt sich stets am Grat zwischen Sanftmut und Ekstase, zwischen elfenhaft und opulent. Richard Strauss‘ „Salome“ in der Oper Graz ist ein hörbares Stück unerhörtes Genie, ein zeitloser Stoff in moderner Verpackung und genau deshalb am Puls der Zeit.

Für Trendbewusste auf Erlebnistour.

Für Erfahrene mit Mut und Neugier.

Für EntdeckerInnen, die’s wissen wollen.

 

 

Weiter Infos rund um das Stück finden Sie hier.

Gehe zu: Instagram-Feed des Bühnenblog Gehe zu: Facebook-Seite des Bühnenblog
x

Aktuelle Stellenausschreibungen

Unter den nachfolgenden Verlinkungen finden Sie die aktuellen Stellenausschreibungen unserer Gesellschaften. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Offene Stellen in der Oper Graz
Offene Stellen im Schauspielhaus Graz
Offene Stellen in den Grazer Spielstätten (Orpheum, Dom im Berg, Kasematten)
Offene Stellen in der Theaterservice Graz GmbH