Trendsetter on stage: Wie eine Delikatesse mundet „König Roger“ als rar gespielte Oper und Meisterwerk und nur ganz unauffällig betört ihre Schönheit das Publikum.

Trendsetter on stage: Wie eine Delikatesse mundet „König Roger“ als rar gespielte Oper und Meisterwerk und nur ganz unauffällig betört ihre Schönheit das Publikum.

von 14. februar bis 04. mai 2019 in der oper graz

Fotos: Werner Kmetitsch 

 

Möglicherweise hinterlässt das Gesehene gemischte Gefühle: Ist es schön? Ist es karg? Ist es Romantik oder Zerstörung? Fest steht: Die Ästhetik dieser Inszenierung von Holger Müller-Brandes folgt dem Credo der Simplizität: Das Bühnenbild (Katrin Lea Tag) verlangt dabei Fingerspitzengefühl und braucht nicht mehr als Schwarz und sehr viel Gold. Denn die Musik aus dem vollen Orchestergraben (Roland Kluttig) bedient sich am Orient und Okzident, rüttelt Eindrücke und Erinnerungen wach, die brandneu oder einfach nur erschütternd schön sind.

Rauschende Hommage an die Nächstenliebe

Mit „König Roger“ erschuf der Pole Karol Szymanowski eine Welt, nach der er sich damals – in den 1920er-Jahren – verzehrt haben muss. Eine Welt, in der die Liebe und Toleranz mehr wiegt als Demokratie und Angst. Es ist nicht Utopia, sondern eine klare Möglichkeit: Szymanowski liebte das mannigfaltige Sizilien und lässt seinen König (Kay Stiefermann/Markus Butter) an diesem Sehnsuchtsort regieren als eines Tages ein äußerst attraktiver und wortgewandter Hirte (Andrzej Lampert) auftaucht und das Inselvölkchen komplett durcheinander bringt. Sogar seine Frau Roxane (Aurelia Florian) fängt wegen des schönen Fremden an, die Beziehung zu hinterfragen und die durch Schönheit und Verführung überforderten Bürger verlangen den Tod des Hirten, die Auslöschung des Fremden. Doch getötet wird hier niemand. Ganz im Gegenteil: Es dauert nicht lange, bis das Erscheinen des Verführers auch den König selbst in eine Krise des Fragens, Zweifelns und Begehrens stürzt. 

Der König ist tot. Es lebe der König!

Szymanowski liefert ein spirituell anmutendes Potpourri in drei Akten, die den Siegeszug des Hirten und parallel dazu Passion, Tod und Auferstehung des Königs erzählen. Eine metaphernstarke, sehr romantische Sprache steht im Kontrast zu der klaren Umsetzung im Grazer Opernhaus. Auf pompös wird hier zurecht verzichtet, um den Sinnen den Blick auf die wahre Ästhetik zu ermöglichen. Auch Chor (Bernhard Schneider) und Ballett (Beate Vollack) tragen ihren Teil dazu bei und sorgen in den Kostümen von Lejla Ganic für eine ganz spezielle Gänsehaut. In „König Roger“ trifft rauschhaft-sinnliche Musik auf minimalistische Regie und puristische Ästhetik. Fazit: Das sollten Sie gehört und gesehen haben.

 

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