Take me to the Barber Shop! Bunte Skurrilität küsst freches Chaos, wenn Figaro Amor spielt und die Grazer Bühnenbildner Malkasten gegen Toupierkamm tauschen.

Take me to the Candy Barber Shop! Bunte Skurrilität küsst freches Chaos, wenn Figaro Amor spielt und die Grazer Bühnenbildner Malkasten gegen Toupierkamm tauschen.

 

von 5. Oktober bis 20. dezember 2018 in der oper graz

Fotos: Werner Kmetitsch

 

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, heißt es. Will der schmachtende Graf Almaviva das Herz der kecken Rosina erobern, bleiben die Schusswaffen zwar im Schrank, doch zu mit Föhns bewaffneten Läusen reicht es allemal! Zumindest wenn Regisseur Axel Köhler am haarigen Werk ist – und der war mit seinem Barbier an der Grazer Oper 2015 so erfolgreich, dass es in der aktuellen Spielsaison just zur Wiederaufnahme kam.

Rosina, lass dein Haar herunter! … oder besser doch nicht? Denn wenn Ausstatter Okarina Peter und Timo Dentler 60 Kilometer goldblondes Seil verarbeiten, will die Statik nicht aus der Form gebracht werden. Kunstvoll drapiert zur wohl beeindruckendsten Haarpracht der Stadt bilden diese als Haus des Doktor Bartolo den Hauptort der Handlung dieser Rossini-Oper. Der obligatorische Friseurbesuch vor der Vorstellung scheint da so gänzlich überflüssig gewesen zu sein, denn an diesem Abend achtet auf das eigene Haupt – oder das der Sitznachbarin – garantiert niemand.

Die ambitionierten Tempi der Grazer Philharmoniker geben sich ein pointiertes Stelldichein mit dem Farbenspiel der Technik, die schwungvollen Partien der Sänger*innen kommen in einem solch charmanten Plauderton daher, dass sie in ihrer musikalischen Agilität dem prallen Bühnenbild in nichts nachstehen. Kabarettfans sind begeistert, Liebhaber der Opera buffa sowieso. Dazu kommt Dariusz Perczak, der Bilderbuch-Filou: In der Rolle des Figaro ist er mit allen Rasierwassern gewaschen und lässt seinen Grafen, ob als Soldat oder Musiklehrer, galant zur Witzfigur avancieren. Die wandelbare Anna Brull, die wir eben noch schweren Herzens als María de Buenos Aires beklagt haben, wirbelt nun energiegeladen über das kunterbunte Setting, ihr glatzköpfiger Vormund könnte ebenso skurril-talentierter Akteur am Lifeball sein.

So geht’s Schlag auf Schlag, Rosina zupft sich in Reiterstellung an den Saiten Almavivas zum Höhepunkt, dem Happy End zum Greifen nahe. Ein Abend voller Jux und Tollerei, den wir dem verrückten Schopfe des Barbiers von Sevilla zu verdanken haben. Denn der hat sich das alles doch ausgedacht… oder sind wir hier doch Zeugen des ganz normalen Wahnsinns der Oper Graz?

Könnte diese Opern-Inszenierung sprechen, würde sie jedenfalls laut singen: Let me entertain you!

ENJOY!

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