Erfunden geht alles – „Erinnya“ ist so alltäglich wie science-fictional und hinterlässt durchaus Spuren: Clemens J. Setz spielt gekonnt und absurd mit Gesellschaftskritik, die sich hinter einer ganz normalen Liebesgeschichte versteckt.

Erfunden geht alles – „Erinnya“ ist so alltäglich wie science-fictional und hinterlässt durchaus Spuren: Clemens J. Setz spielt gekonnt und absurd mit Gesellschaftskritik, die sich hinter einer ganz normalen Liebesgeschichte versteckt.

In der saison 2018/2019 im Schauspielhaus Graz

Fotos: Lupi Spuma

 

Die potenzielle Zukunft: Jeder von uns könnte ein Erinnya-User sein. Wie Matthias (Alex Deutinger). Er hat sich diesen Knopf ins Ohr setzen lassen, um seine Depression zu heilen und sich wieder gesellschaftsfähig zu gestalten. Dieser Knopf verbindet ihn mit einem System, das „demokratisch generierte“ Sätze souffliert. Matthias ist wie ein Schauspieler: Was er als nächstes sagt, hat ein anderer längst kreiert. In diesem Fall Erinnya. Tina (Susanne Konstanze Weber) findet die Bilder so schön, die ihr Freund Matthias mit Wörtern zaubert. Sie ist neugierig, hat dieses Ding im Ohr selbst schon einmal ausprobiert und wird es wieder tun. Nach drei Jahren Beziehung ist Matthias so weit: Er soll ihre Eltern kennenlernen.

Clemens J. Setz schafft in seinem Auftragswerk eine pikante, zwischenmenschliche Szenerie, die Regisseurin Claudia Bossard dazu passend und frech schräg auf die Bühne (Frank Holldack) bringt. Tinas Mutter Friederike (Martina Zinner) erinnert an „Mars Attacks!“, ihr Vater (Nico Link) steht mitternachts auf Kurkuma-Latte und ist maßgeblich beteiligt an der sich zuspitzenden Eskalation. Outfittechnisch (Elisabeth Weiß) ist sich die sonst weniger blumige Familie allerdings einig und skurriler Weise macht diese Tatsache Matthias zumindest optisch zum Normalo.

Absurde Pointen und wesentlich absurdere Sätze machen menschliche Gespräche nicht weniger möglich oder amüsant. Dass sich letztlich (Achtung: Spoiler!) Matthias über eine selbstgebaute Berggipfelwelt auf- und davonmacht, ist eine der vielen Metaphern des Stücks, die einen kritischen Blick auf den Geist unserer Zeit werfen.

PS: Pilze, die parasitär aus den Köpfen von Ameisen wachsen, gibt es wirklich.

 

 

„Erinnya“ von Clemens J. Setz wurde am 15.11.2018 im Schauspielhaus Graz uraufgeführt.

Weitere Infos zum Stück finden Sie hier.

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