Hypotheken, Champagner und nicht viel zu verlieren: Der Kirschgarten alias „die Vergangenheit“ thront über der Gutsfamilie Ranewskaja und schmückt den Weg ins Verderben mit weißen Blüten.  

Hypotheken, Champagner und nicht viel zu verlieren: Der Kirschgarten alias „die Vergangenheit“ thront über der Gutsfamilie Ranewskaja und schmückt den Weg ins Verderben mit weißen Blüten.  

in der saison 2018/2019 im Schauspielhaus Graz

Fotos: Lupi Spuma

 

Unschuldig schaut er aus, so ganz in Weiß, ewig schon und unheimlich laut wächst er dahin, dieser riesige Kirschgarten. „Weg soll er“, meint der geschäftstüchtige Lopachin (Nico Link) und will damit die Gutsherrin Ranewskaja (Evamaria Salcher) vor dem sicheren Ruin retten. Doch die stellt sich quer und Familie samt Angehörige mit ihr. Die Hypotheken nimmt sie schon lange nicht mehr ernst und das Vermögen hat sie – mit tatkräftigem Support des daheimgebliebenen Bruders (Jörg Thieme) – während der vergangenen fünf Jahre in Paris verprasst. Gerade sind sie und ihre Tochter Anja (Tamara Semzov) in die Heimat zurückgekehrt. Zweitere hat eine Schlafproblematik und Existenzängste mitgebracht – die Mutter einen exzentrischen Liebhaber (Raphael Muff). Dafür ist die Villa am Atlantik weg und das alte, richtig gute Rezept für gedörrte Kirschen auch.

Man sagt, ich hätte mein Vermögen mit Bonbons verschwendet.“

Anton Tschechow thematisiert in seinem letztem Werk das Prinzip ‚Loslassen‘ und greift dabei tief. Ein totes Kind, all die Nostalgie und natürlich: diese Pracht! Mit Freude und einer rauschenden Kirschgartenparty verdrängt die Gutsgesellschaft sogar die Zwangsversteigerung. Und dann die Ohrfeige der Realität: Die Vergangenheit ist plötzlich Schnee von gestern. Abgeholzt wird der Garten und sein neuer Besitzer Lopachin macht genau das, was er der Ranewskaja im Vorfeld geraten hat: In Parzellen aufgeteilt wird das Land Stück für Stück lukrativ an Sommergäste vermietet. Eine scheinbare Last fällt von den Schultern wie Blüten vom Baum (Bühne/Kostüme: Sigi Colpe) und die Menschen brechen auf zu neuen Abenteuern.

Wir langweilen uns, trinken Wodka und philosophieren.“

Sprachgewandt und mit viel Poesie arbeitet Tschechow die Charaktere in seinem Werk derart heraus, dass selbst die falschesten Entscheidungen gut nachvollziehbar werden. Der Kirschgarten könnte eine ganz normale Familiengeschichte sein und sogar die Personen kennt man aus dem Leben. Gerhard Balluch tanzt und schnorrt sich als Nachbar gerne etwas Taschengeld, Franz Solar sorgt als dienender Greis dafür, dass die Vergangenheit nicht (wie er zum Ende hin) in Vergessenheit gerät und mit dem tagträumenden Studenten (Pascal Goffin) klopft Tschechow schon 1904 an die Türe des Liberalismus an.  

 

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