Geduld bringt Rosen und in diesem Fall sogar die letzte: Beinahe vier Jahrzehnte lang musste das Grazer Publikum auf eine neue „Martha“ warten. Erleben Sie, wie Regisseur Peter Lund gekonnt den Fokus verschiebt, Melancholie und Manie Hand in Hand gehen lässt sowie der Tradition Ehre erweist. Ein bemerkenswerter Stilbruch mit viel Stil.

Geduld bringt Rosen und in diesem Fall sogar die letzte: Beinahe vier Jahrzehnte lang musste das Grazer Publikum auf eine neue „Martha“ warten. Erleben Sie, wie Regisseur Peter Lund gekonnt den Fokus verschiebt, Melancholie und Manie Hand in Hand gehen lässt sowie der Tradition Ehre erweist. Ein bemerkenswerter Stilbruch mit viel Stil.

Seit 5. Oktober im Schauspielhaus Graz

Fotos: Werner Kmetitsch

 

Ob diese Liebesgeschichte aus dem Jahr 1847 auf einer wahren Begebenheit basiert, sei dahingestellt und ist ganz und gar nicht unmöglich. Im Jahr 2019 jedenfalls spielt sie auf den Brettern der (Dreh-)Bühne in der Grazer Oper und die verwandelt sich zuerst einmal in ein Irrenhaus: „Bedlam Asylum“ existiert. Mit der grau verschleierten Eingangsszene und dem herrlich verrückten Chorensemble als Insassen stellt Regisseur Peter Lund die anmutende „British Horror Story“ bewusst in dieses Licht.   

„Ohne weigern und entkommen, ward das Handgeld angekommen. Habt’s kapiert?“

Szenenwechsel. Gefrustet, ja beinahe grenzwertig deprimiert, ob ihres Hofdame-Daseins macht sich Lady Harriet (Kim-Lillian Strebel) mit ihrer Vertrauten Nancy (Anna Brull) auf den Weg, den Markt von Richmond zu besuchen. Mit anderen Namen, ohne Perücke und Unterrock – demaskiert, um nicht erkannt zu werden. Schneller als man bis drei zählen kann, stehen die beiden „Mägde“ Martha und Julia schon zur Versteigerung auf dem Podest. Ein Blickfang für den jungen Bauern Plumkett (Peter Kellner) und seinen Ziehbruder Lyonel (Ilker Arcayürek), die sogleich ein Sümmchen springen lassen und die Damen für ein ganzes Jahr verpflichten.

Von wegen. Die tollpatschigen, weil ahnungslosen Frauenhäuser amüsieren sich herzlichst darüber, wie die Herrschaften ihnen die Hausarbeiten erklären: „Nein, zu lustig, wie am Rädchen, er so zierlich zieht das Fädchen. Haha!“ Ganz schön frech wie die beiden Hofdamen so gar nicht ihrem Alter Ego gerecht werden und dann auch noch in der ersten Nacht abhauen. Zu spät für Romantiker Lyonel, dessen Herz die unnahbare Martha (zurecht!) mit ihrer Darbietung der „Letzten Rose“ zuerst zum Schmelzen und mit der Zurückweisung seines Antrags partout zum Brechen brachte.

„Mag der Himmel euch vergeben, was Ihr an mir Armen tut.“

Zurück bei Hof nimmt das Affentheater seinen Lauf: Statt Brot reicht man Scones und die vorwiegend weibliche Gesellschaft kleidet sich bis ins Detail zum Anbeißen. Dem Publikum ist längst klar, dass Plumkett und Nancy zusammengehören − ob für Lady Harriet und ihren schmachtenden Lyonel ein Happy End in Aussicht ist, sei jedoch noch dahingestellt.

Dank Daria Kornysheva gleicht sowohl bei Hof, am Markt als auch in der Anstalt kein Kostüm dem anderen. Das wiederum passt perfekt in die authentische Bühnengestaltung von Ulrike Reinhard, die ein hervorragendes Gespür für die richtige Atmosphäre beweist. Aus dem Orchestergraben tönen unter dem Dirigat von Robin Engelen wunderbare Melodien. „Die letzte Rose“ als Aushängeschild für die romantisch-komische Oper trägt man mit ein bisschen Glück noch ein paar Tage lang als Ohrwurm vor sich her. Ein Must-see für Opern-Fans.

 

Weitere Informationen rund um die Vorstellung finden Sie hier. 

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