Rosina zupft gekonnt Almavivas Saiten, Doktor Bartolo haut mit Kompagnon Basilio in die Tasten. Und Figaro? Der amüsiert mit Schere, Charme und Lockenkopf sein Publikum.

Rosina zupft gekonnt Almavivas Saiten, Doktor Bartolo haut mit Kompagnon Basilio in die Tasten. Und Figaro? Der amüsiert mit Schere, Charme und Lockenkopf sein Publikum.

 

von 5. Oktober bis 20. dezember 2019 in der oper graz

Fotos: Werner Kmetitsch | Text: Karin Schmerda

 

Es war Napoleon Bonaparte, der einst sagte, im Krieg und in der Liebe sei alles erlaubt. Ob der französische General bei diesen Worten auch an Gioachino Rossinis Opera buffa gedacht hatte oder ob es der italienische Komponist war, der Anleihe bei seinem Zeitgenossen nahm, wird wohl ungeklärt bleiben. Gewiss ist jedoch, dass Figaro, dem wohl berühmtesten Barber der Musikgeschichte, kein Jux zu albern ist, keine Idee zu skurril, um dem schmachtenden Graf Almaviva zur Eroberung seiner Angebeteten Rosina zu verhelfen. Die Schusswaffen dürfen an diesem Opernabend im Schrank bleiben, eine mit Haartrocknern bewaffnete Läuse-Kompanie sorgt jedoch – unter anderem – für des Zuschauers Amüsement.

„Eine wohltuend komödiantische Inszenierung, ein kurzweiliger Genuss, ein Philharmonisches Orchester, das mit Eleganz und Esprit musiziert“

– so die Pressestimmen 2015 zur Premiere des Barbiers an der Grazer Oper. Nun, drei Jahre später, kehrt Axel Köhler mit seiner bunten Neuinterpretation der Rossini-Oper in die Stadt an der Mur zurück und lässt Ausstatter-Duo Okarina Peter und Timo Dentler abermals Malkasten gegen Toupierkamm tauschen. In der legendären Rinaldo-Inszenierung Peter Konwitschnys debütierte Köhler als Countertenor, in die Rolle des Regisseurs schlüpfte er erstmals zur Jahrtausendwende mit Monteverdis L’incoronazione di Poppea und machte sich in dieser Position quer durch Europa Namen und Ehre.

 

Bravouröse Besetzung

Die Wiederaufnahme des Il barbiere di Siviglia verspricht ebenfalls an ihren ersten Erfolg anzuschließen und auch diesmal kein Auge trocken zu lassen, darf man sich doch wieder auf die wunderbar wandelbare Anna Brull alias Rosina freuen, die gemeinsam mit Stimmgewalt Tansel Akzeybek in der Rolle des Grafen Almaviva dem gierigen Doktor Bartolo (David McShane) Paroli bietet. Der polnische Bariton Dariusz Perczak meisterte bereits 2015 seine Rolle als Offizier mit Bravour. Nun als gewitzter Figaro auf der Bühne, scheint ihm nicht nur stimmliche Ausdauer, sondern auch theatralisches Talent ein Steckenpferd zu sein. Denn wer mit solch charmanter Leichtigkeit dem turbulenten Bühnen-Chaos frönt, der ist im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Rasierwassern gewaschen!

 

Opulentes Bühnenbild

Die optische Opulenz des Bühnenbildes (60 Kilometer an goldblondem Tau wurden hier kunstvoll verarbeitet!) macht den Sängerinnen und Sängern die Aufmerksamkeit der Besucher dabei so gar nicht streitig – ganz im Gegenteil! Sie ebnet den mitreißenden Partien von Herrenchor über Nebenbesetzung bis Hauptrollen sogar noch das Parkett und unterstreicht die lebhafte Partitur, überraschende Wendepunkte inklusive! Die ambitionierten Tempi des Orchesters treiben die Stimmung voran, so geht es Schlag auf Schlag, ein überraschender Wendepunkt folgt dem nächsten, die allesamt die gespitzten Ohren des Publikums bis zum glücklichen grande finale amüsieren.

 

Der Barbier von Sevilla – Mit besten Empfehlungen! 

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