Mächtige Frauen und männliche Machtspiele: Wenn Friedrich Schiller blaues Blut und Gender Studies verbindet, ist das Liebhabern der Historie wie zeitgenössischen Entdeckern gleichermaßen ans Herz zu legen.

Mächtige Frauen und männliche Machtspiele: Wenn Friedrich Schiller blaues Blut und Gender Studies verbindet, ist das Liebhabern der Historie wie zeitgenössischen Entdeckern gleichermaßen ans Herz zu legen.

in der saison 2018/2019 im Schauspielhaus Graz

Fotos: Lupi Spuma | Text: Karin Schmerda

 

Der Vorhang geht auf und vor einem sitzen acht Männergestalten auf einem stählernen Sims. Sie tragen Anzüge in schwarz-weiß und eine Frisur, die in einem ein gewisses Unbehagen aufsteigen lässt. Auch das gegenseitige Schuhe-lecken schafft nicht unbedingt Sympathien – soll es auch nicht. Denn bei diesen Herrschaften handelt es sich um das männliche Gefolge von Königin Elisabeth von England: einer Schar großer Narzissten und Manipulatoren.

Dass es das Publikum in diesem Werk nicht mit Edelmännern und -frauen zu tun hat, das verspricht allein schon der Name des Verfassers. Regisseur Stephan Rottkamp verzichtet zwar auf 40 Prozent des Originaltextes, an fatalen Rankünen samt Lieb- und Leidenschaften mangelt es trotzdem nicht. Denn gäbe es kein Pathos, wäre es kein Schiller!

„Bin ich geboren
nur die Wut zu wecken?“

Wir befinden uns also in den letzten Tagen von Maria Stuart. Nach 19 Jahren in englischer Haft unter der Krone ihrer Cousine Elisabeth, ist Maria bereits zum Tode verurteilt. Zur Vollstreckung fehlt nur noch das letzte Wort der Königin – doch das lässt auf sich warten. Zerrissen zwischen Herz und Hirn, und noch mehr zwischen den Meinungen ihrer männlichen Berater, kann Elisabeth keine Entscheidung treffen. So beginnt es, das Spiel des Männerchors, dessen acht Köpfe wir auch einzeln kennenlernen. Gemeinsam rufen sie „God save the Queen!“ und hecheln der Krone der Königin entgegen. Ist jeder für sich, rücken die eigenen Ziele in den Fokus − und die reichen von der Befreiung Marias bis zur Ehe mit Elisabeth. Im Zentrum also zwei Frauen, die eine leidenschaftlich, die andere rational, ringsum das andere Geschlecht. Und das Ende ist – so viel sei verraten – blutig wie ewig bindend.

Mit besten Empfehlungen
„Maria Stuart“ im Schauspielhaus Graz: wunderbar poetische Sprache trifft schmutzigen Opportunismus auf einer großartigen Bühne des Wankelmuts. Ein Tipp für alle, die Friedrich Schiller wieder erfahren und doch neu entdecken möchten!

 

Weitere Informationen zu „Maria Stuart“ finden Sie hier.

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