König Learvon William Shakespeare
Übersetzung: Werner Buhss
König Lear verschenkt sein Reich. Er teilt es unter seinen Töchtern auf, doch er verlangt dafür den absoluten Liebesbeweis: diejenige, die ihn am meisten liebt, soll den größten Teil erhalten. Ausgerechnet sein Liebling Cordelia verweigert wortreiche Beteuerungen und wird vom Vater zornig verstoßen. Mit dieser Tat beginnt die Tragödie, als Kampf der Generationen, der fortan als Riss durch die Welt geht. Lear zieht von Tochterhaus zu Tochterhaus – doch man setzt ihn vor die Tür. Obdachlos, den Naturgewalten ausgeliefert, begegnet er anderen Verstoßenen: Gloucesters Sohn Edgar in der Maske eines verrückten Bettlers, der vor dem eigenen Vater auf der Flucht ist. Kent, verstoßen, weil er für Cordelia eintrat, folgt seinem König in Verkleidung. Zuletzt stößt Gloucester zu ihnen, der von den neuen Machthabern für seine Königstreue aufs Grausamste bestraft wurde.Es ist die großartigste und zugleich dunkelste aller Shakespeare-Welten, durch die der Dichter seine Figuren irren lässt, traurig und komisch, mutwillig und verzweifelt auf der Suche nach Liebe und Erlösung.
Peter Konwitschny, international gefragter Regisseur ob seiner spektakulären Werkinterpretationen, liest das Stück als poetischen Vorgriff auf die Moderne, als Kampf aller gegen alle, der keine Sieger zurücklässt. Mit Burgschauspieler Udo Samel in der Rolle des Lear und einem außergewöhnlichen Raumkonzept, das verschiedene theatrale Erzählformen erlaubt – vom mittelalterlichen Jahrmarktsspiel (zwischen den Zuschauern im Parkett) bis zur postmodernen Auflösung der Figuren (die, ihrer eigenen Rollen ungewiss, über die Bühne irren) – macht die Inszenierung einen Brückenschlag von Shakespeares Welt ins Hier und Heute.
Pressestimmen:
Udo Samel brillierte in der Titelrolle - großartige Leistungen im Ensemble. Der Regisseur zeigt ein packendes, grausames und immer wieder komisches Endspiel. In der Titelrolle konnte Udo Samel ein wunderbares Porträt des tragischen Königs erschaffen, ein großartiges Ensemble ließ ebenso wenig Wünsche offen.(Karin Zehetleitner, APA, 25.2.2009)
Konwitschny hat gemeinsam mit dem einsatzfreudigen Ensemble eine unkonventionelle, vielschichtige Inszenierung entwickelt, die mit kräftigen Bildern besticht. [...] Im ersten Teil entwickelt der Abend so große Dichte und überzeugendes Tempo und wird auch von Konwitschnys starker Musikalität getragen.
(Irmgard Rieger, DPA, 25.2.2009)
Betäubend , lächerlich, trügerisch ausgelassen und skurill nimmt die Geschichte vom Monarchen ihren Lauf. [...] Mit faszinierender Wandlungsfähigkeit und chamäleonhaft geht Udo Samel seinen Weg von der Macht zur Ohnmacht, vom einseitigen Mut zur Demütigung - von einer jüngeren Generation zum Auslaufmodell. Im Einklang mit dem Regisseur und einem grandiosen Ensemble, das gefordert wurde wie seit Jahren nicht mehr, wir ein Maximum an lustvoller, spektakulärer, tragikomscher Irritation für Auge und Ohr, Herz und Hirn aus diesem Endspiel rausgeholt.
(Werner Krause, Kleine Zeitung, 26.2.2009)
Peter Konwitschny baut diesen Abend vielschichtig auf. [...] Udo Samel dokumentiert sienen fortschreitenden Machtverlust mit sprachlicher wie mimischer Prägnanz eindrucksvoll. Es ist eine Freude, diesem Schauspieler bei der Arbeit zuzuschauen. In Otto David als scharfsichtig und abgeklärt kommentierendem Narren und Gerhard Balluch als treuem Kent findet er zwei starke Begleiter. Peter Konwitschnys "König Lear" beschert Graz [...] ein mitreißendes, relevantes, ja ganz einfach wirklich großes Theater.
(Michaela Reichert, Kronen Zeitung, 26.2.2009)
Mit "König Lear" konnte Schauspielhausdirektorin Anna Badora den immer noch polarisierenden Opernregisseur Peter Konwitschny zum Sprechtheater verführen. [...] Udo Samels facettenreiches Profiliga-Spiel lässt auch das Ensemble aufleben, da läuft kein plumpes Match der Selbstinszenierung ab, da ist Teamarbeit mehr als eine Phrase. [...] Konwitschnys "König Lear" in Graz ist ein profundes Statement. Ein heftig-erfrischender Luftzug weht im Grazer Schauspielhaus.
(Martin Behr, Salzburger Nachrichten, 26.2.2009)
Schonungsloses Schauspieltheater, das so gut wie ohne Requisiten auskommt: Udo Samel gibt einen Maßstab vor, dem das Ensemble des Grazer Schauspielhaus mit Eifer nachstrebt.
(Reinhard Kriechbaum, Wiener Zeitung, 26.2.2009)
Im Grazer Schauspielhaus, das vor Anna Badoras Zeit als Direktorin nie wirklich in die Gänge kam, ist ein spannender, streitbarer Abend gelungen mit einem Berserkerstück des Regietheaters und einem glänzenden Udo Samel.
(Helmut Schödel, Süddeutsche Zeitung, 27.2.2009)
Das Grazer Ensemble hat sich unter Intendantin Anna Badora in den letzten beiden Spielzeiten in Österreich in die erste Reihe gespielt.
(Bernhard Doppler, Der Tagespiegel, 27.2.2009)
Grandios: Peter Konwitschnys "König Lear". Samel als idealer Lear. Konwitschnys Interpretation ist schlüssig wie kreativ.
(Stefan Keim, Frankfurter Rundschau, 27.2.2009)
Downloads:
- Presseinformation zur Produktion (0,08 MB)
- Referenteninfos zu KÖNIG LEAR (0,04 MB)