Weh dem, der lügt!von Franz Grillparzer


Gregor: „Dein Wort soll aber sein: Ja, ja; nein, nein.“

Für Gregor, Bischof im Frankenland zur Zeit der Merowinger, ist die Lüge das schlimmste Übel der menschlichen Natur. Dies trichtert er auch seinem Küchenjungen Leon ein, der sich anbietet, Gregors Neffen Atalus aus der germanischen Kriegsgefangenschaft zu befreien. Leon bezweifelt, dass er Gregors „Weh dem, der lügt!“ in seiner Unbedingtheit entsprechen kann; dennoch versucht er, Atalus unter strikter Einhaltung der Wahrheit zu befreien. Er lässt sich als Koch beim Grafen Kattwald, der Atalus gefangen hält, anstellen, und macht keinen Hehl aus seinem Plan, den Franken zu befreien. Doch gerade diese dreiste Ehrlichkeit führt dazu, dass niemand seine Worte ernst nimmt. Kattwalds Tochter Edrita, die gegen ihren Willen mit dem dummen Galomir verheiratet werden soll, wird zu seiner Verbündeten; sie hilft ihm, Atalus zu befreien, und schließt sich den beiden Männern auf ihrer Flucht von Kattwalds Hof an. Unterwegs stoßen die drei auf eine Reihe von Hindernissen, die es ihnen schwer machen, das bischöfliche Wahrheitsgebot nicht zu verletzen. Schließlich wird Leon eine letzte Prüfung der Wahrhaftigkeit abverlangt: das Geständnis seiner Liebe zu Edrita.

Weh dem, der lügt! wurde 1839 am Hofburgtheater uraufgeführt. Im Zentrum des Stücks steht die Frage, ob eine absolute Norm – das Gebot, stets die Wahrheit zu sagen – den Anforderungen der Wirklichkeit tatsächlich standhalten kann und ob die beiden Welten, die in Grillparzers Stück aufeinander treffen – die Lichtwelt des Bischofs und die Schattenwelt des Grafen Kattwald – nicht letztlich dieselben Eigenschaften bergen.

Der junge Regisseur Tobias Kratzer, Preisträger in sämtlichen Kategorien beim Grazer Ring Award 2008, führt mit Grillparzers komödiantisch-philosophischem Märchenspiel zum ersten Mal Regie am Schauspielhaus Graz.

 

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Pressestimmen:

„Rasches Tempo, witzige Regie, originelle Ausstattung. [...] Als Leon darf Florian Köhler alle Register ziehen, er ist der, der sich mit Witz und Verstand aus jeder Schlinge zu ziehen vermag. Sophie Hottinger zeigt als Edrita viel komödiantisches Talent mit Tiefgang, und Jan Thümer spielt gekonnt den trockenen Atalus. Als Bischof ebenso fromm wie als Kattwald laut und derb ist Franz Xaver Zach. Thomas Frank (Galomir), Franz Solar (Hausverwalter und Schaffer) und Dominik Warta (Pilger, Fährmann) ergänzen das äußerst spielfreudige Team."
(Karin Zehetleitner, APA, 23. Jänner 2010)

„Im Herbst beginnt das neue Jahr am Schauspielhaus mit erfreulicher Klassik-Pflege, die Jung und Alt Spaß machen dürfte. Tobias Kratzer, der sich bisher mit Operninszenierungen einen Namen gemacht hat, war eine sehr kluge Wahl der Intendanz. Mit seinem künstlerischen Partner und Co-Ring-Award-Preisträger Rainer Sellmaier (Bühne und Kostüme) erdachte sich Kratzer originelle und witzige Lösungen. Beherzt geht Florian Köhler als Koch an seine Sache, ist mal Schelm, mal schmerzlich Erkennender. Grandios die Belohunung für den Koch: Sophie Hottinger, eine unglaubliche Komödiantin, vom linken Zeh bis zum rechten Augenwinkel. Beide werden von einem famosen Ensemble unterstützt, darunter Jan Thümer, Franz Xaver Zach und Franz Solar."
(Christian Ude, Kleine Zeitung, 24. Jänner 2010)

„Das eindrucksvolle Bühnenbild mit zahlreichen originellen Ideen, die klar charakterisierenenden Kostüme [...] Florian Köhler überzeugt als pfiffiger Küchenjunge Leon mit jugendlichem Charme und treuherzigem Blick. Eine wunderbare bis ins Detail fein gezeichnetete Karikatur eines dünkelhaften Möchtegernhelden liefert Jan Thümer als Atalus und Sophie Hottinger kann ihr komisches Talent als Edrita ausspielen."
(Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 24. Jänner 2010)

„Und all diese Wilden sind in wachsendem Ausmaß gnadenlos lustig. Lustvoll und mit großem Können bewegen sich die Darsteller, vor allem Frank und Zach sind als Clowns ganz enthemmt und ernten torkelnd auch die meisten Lacher. [...] Köhler und Hottinger: zwei vielversprechende junge Darsteller."
(Norbert Mayer, Die Presse, 25. Jänner 2010)

„Am Schauspiehaus Graz hatten am Wochenende gleich zwei Produktionen mit kompromisslosen Regiekonzepten Premiere. [...] Junge Regie sorgt für schrille und schräge Abende. [...] Der bedingungslosen Ehrlichkeit verdammte Küchenjunge Leon wird von Florian Köhler wie ein nach allen Seiten sprühendes Tischfeuerwerk gespielt. Es ist ein Fest der Schauspieler, der Grimassen und wilden Gesten, das Kratzer hier ausrichtete. Franz Solar feiert es - nacheinander als Untertan vom Bischof und vom Grafen - in bester Commedia-dell´Arte-Manier. Sophie Hottinger beweist als Kattwalds Tochter abgründigen, uneitlen Humor und Jan Thümer exerziert als Atalus vor, wie knochentrocken man witzig sein kann."
(Colette M. Schmidt, Der Standard, 25. Jänner 2010)

Kratzers Stärke ist – gestützt auf das Können seiner Darsteller – die Personencharakterisierung. Der Gaddafi-ähnlich uniformierte Barbarenfürst und der Bischof werden von einem Darsteller (Franz Xaver Zach) gespielt und zeigen in ihrem Hang zum Prinzipiellen wie zu plötzlicher Gewalttätigkeit erstaunliche Gemeinsamkeiten. Analoges gilt für Gregors Verwalter und Kattwalds Schaffer-Rambo (Franz Solar). Die wohl beste Charakterstudie ist „der dumme Golomir“, Edritas verschmähter Bräutigam, infantil, fast debil, nur in Einzelwörtern sprechend, aber eine gefährliche Kampfmaschine, der jeder Todesgriff Reflex ist (ein gefundenes Fressen für Thomas Frank). Gut kommt auch der Zwiespalt des Atalus (Jan Thümer) zwischen Buch und Schwert zum Ausdruck. Demgegenüber sind Leon (Florian Köhler) und Edrita (Sophie Hottinger) eindeutige, reflektierte Charaktere mit klaren Zielen, die trotz ihrer Jugend eine quasi natürliche Autorität ausstrahlen. Starke Momente hat Dominik Warta vor allem als Fährmann. Ein sehr unterhaltsamer Theaterabend!“
(Dolf Stockhausen, Woche, 27. Jänner 2010)

„Einen vergnüglichen Plot und einige wirklich brillante Zeilen bietet ‚Weh dem, der lügt!’ im Schauspielhaus Graz.
Dass Regisseur Tobias Kratzer und Bühnenbildner Rainer Sellmaier rechte Scherzbolde sind, haben sie ja schon unter Beweis gestellt, als sie 2008 unter den bulgarisch-serbischen Pseudonymen Pedrak Topola und Nedka Morakov den Grazer Operninzenierungs- & Ausstattungswettbewerb Ring Award gewannen. Mit einer ähnlich frechen Einstellung befreien sie Grillparzers Text von jedem Pathos. Dass di Aufführung nicht zum Krampf wird, verdanken sie einem äußerst spielfreudigen und eben unverkrampften Ensemble, das es locker vermeidet, die comichaften Posen zu kabarettistisch spastischen Grimassen werden zu lassen. Der junge Florian Köhler gibt charmant den schlauen Koch Leon, der Atalus (Jan Thümer) – den Neffen Bischof Gregors (Franz Xaver Zach) – aus der rheingauischen Gefangenschaft mit List und Liebe (Sophie Hottinger als Edrita), aber gezwungenermaßen ohne Lüge befreit.“

(Gregor Schenker, Falter Steiermark, 10. Februar 2010)



 




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Video WEH DEM, DER LÜGT!



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